Gemeinsam gegen das Vergessen

Schülerinnen des FWG gestalteten das Gedenken an den 9. November mit

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Von jeher steht der November im Zeichen der Trauer und des Totengedenkens. Ganz besonders gilt dies für den 9. November, jenen Tag, an dem im Jahr 1938 überall in Deutschland Jüdinnen und Juden Opfer gewaltsamer Ausschreitungen wurden. So auch in Köln – einer Stadt, in der eine jüdische Gemeinde schon seit dem Jahr 321 n. Chr. und damit seit der römischen Kaiserzeit existiert. In diesem Jahr hatten Schülerinnen des FWG, das auch Korrespondenzschule der Synagogen-Gemeinde Köln ist, Gelegenheit, an der Gedenkveranstaltung in der Kölner Synagoge mitzuwirken.

Wie in anderen Städten und Gemeinden Deutschlands, so begann auch in Köln der frühe Morgen des 9. November 1938 mit Brandstiftungen in Synagogen, die in die Zerstörung und Plünderung von Läden und Häusern übergingen. Rund 800 jüdische Männer wurden von der Gestapo verhaftet und ins Konzentrationslager gebracht; ein Mensch starb. Die Synagogen in der Glockengasse und in der Roonstraße brannten aus, die Synagogen in der St. Apernstraße, in Deutz und Mülheim wurden schwer beschädigt.

Mit dem Novemberpogrom 1938 begann eine neue Phase der antijüdischen „Maßnahmen“ in Deutschland. Hatten zuvor die schrittweise Diskriminierung und planmäßige Entrechtung der Juden im Vordergrund gestanden, so steht der November 1938 mit seinem offenen Terror für den Übergang zur physischen Vernichtung. Nun wurden die Juden endgültig aus dem öffentlichen und wirtschaftlichen Leben herausgedrängt, gesellschaftlich isoliert, zeitlichen und räumlichen Beschränkungen unterworfen und zu Parias herabgedrückt. Drei Tage nach dem 9. November kündigte Hermann Göring die sogenannte „große Abrechnung mit den Juden“ an. Für heutige Historiker steht fest, dass „von hieraus ... ein direkter Weg zur ‚Endlösung’ in der Gaskammer“ (Walther Hofer) führt.

Die diesjährige Gedenkveranstaltung aus Anlass des 79. Jahrestages der Reichspogromnacht, die von der Kölner Synagogen-Gemeinde und der Kölnischen Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit veranstaltet wurde und in der Synagoge an der Roonstraße stattfand, stand unter dem Motto eines Zitats von Elie Wiesel: „Das Gegenteil von Liebe ist nicht Hass, sondern Gleichgültigkeit.“ An ihr beteiligten sich auch Oberstufen-Schülerinnen des FWG mit einem eindringlichen und sorgsam choreographierten Beitrag. Dieser hatte die Erfahrungen und Gedanken der Schülerinnen zum Gegenstand, die unter dem Eindruck eines kürzlichen Besuchs des ehemaligen Konzentrationslagers Auschwitz entstanden waren und nun in einer Mischform von Erlebnisbericht und szenischer Textcollage zu Gehör gebracht wurden. Auf diese Weise wurde, was im Ursprung individuell-persönliche Erfahrung der Beteiligten gewesen war, nicht nur zum gemeinsam geteilten Erlebnis auf der Bühne, sondern auch zur Anfrage an die anwesenden Zuhörerinnen und Zuhörer, was durch die beeindruckende Präsenz aller jugendlichen Beiträger höchst wirkungsvoll unterstrichen wurde.

Insgesamt war die sehr nachdenkliche und angemessen würdevolle Veranstaltung durch einen dichten und emotional intensiven Wechsel von Wort- und Gesangbeiträgen geprägt. Gleich zu Beginn hob Gerschon Schwarzmann als Mitglied des Vorstandes der Synagogen-Gemeinde in einer ebenso gehaltvollen wie anrührenden Rede die Bedeutung des „Zachor“ und damit der Erinnerung für das Judentum hervor. Auch der Vorsitzende der Kölnischen Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit, Professor Jürgen Wilhelm, schlug den Bogen zur Gegenwart. Er schloss seinen mit zahlreichen Beispielen unterlegten Beitrag als Mahnung an die Öffentlichkeit. Diese sei – insbesondere in den Medien – allzu oft durch eine unkritische Weitergabe rechtspopulistischer Parolen geprägt und leiste dadurch einer schleichenden Normalisierung antidemokratischer Haltungen ungewollt Vorschub. Auch 79 Jahre nach der Reichspogromnacht sei es aber nicht „normal“, im geschützten Raum der Demokratie ausländerfeindliche und rassistische Inhalte zu verbreiten: „Es darf nicht normal sein, denn man schändet durch derartiges Verhalten das Andenken an die Opfer. Und man öffnet naiv oder bewusst, formal oder aus Gleichgültigkeit denen Tür und Tor, die die mühsam erkämpften Werte unserer offenen und toleranten Gesellschaft mit Füßen treten“, so Wilhelm.

Die Veranstaltung schloss mit einer Kranzniederlegung und einem Kaddisch-Gebet in der Trauerhalle der Synagoge.

Vertreter der Synagogen-Gemeinde zeigten sich von dem Beitrag der FWG-Schülerinnen sehr berührt – zweifellos ein Auftrag an die gesamte Schulgemeinde, sich weiterhin für eine lebendige Erinnerungskultur einsetzen und am Erhalt einer starken und engagierten Zivilgesellschaft tatkräftig mitzuwirken.     (Gap)

Fotos: Synagogen-Gemeinde Köln

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