Πρῶτο-Griechenlandfahrt des FWG nach Thessaloniki

 1

   

Studiert haben wir vier Jahre lang, wo die Wiege und Idee Europas liegt – nun durften wir auch vier Tage lang den Praxistest durchführen. Es war zwar nur eine kleine Fahrt – mit einer kleinen Menge von 10 Schülerinnen und Schülern für eine kleine Menge an Tagen –, aber es war eine Fahrt mit großer Wirkung. Erstmalig hat das FWG mit großer Unterstützung seines Fördervereins und mit jeder sonst erdenklichen unbürokratischen Unterstützung zwei seiner Griechischkurse auf die Reise in die Wahlheimat – und in die Heimat unseres »Ikaros« – gesandt und hat zurückbekommen eine begeisterte Gruppe mit einem Koffer voller Impres-sionen.                                                   

Nicht nur haben wir die φιλοξενία, die griechische »Gastfreundschaft« – wie sie etwa auch Barack Obama auf seiner letzten Auslandsreise als US-Präsident kenntnisreich als ein Signum des nicht nur altgriechischen Geistes hervorgehoben hat – gespürt, sondern die Gruppe hat diese Freundschaft auch gelebt – als ein Verbund aus verschiedenen Stufen, aus verschiedenen Kursen, aus drei verschiedenen Schulen. Auch in dieser Hinsicht ist der Brückenschlag gelungen, nicht nur der von Deutschland nach Griechenland, nicht nur der von der Postmoderne in die Antike, sondern derjenige von Europa hin zur Wiege und Idee Europas. Hier nun ein paar Impressionen der vielen, die sich nicht alle in Wort und Bild fassen lassen:    

 

Mittwoch, 30. Mai 2018

Es gibt verschiedene Motive, Altgriechisch als Zusatzfach zu wählen: beispielsweise die Tatsache, dass es eine unentbehrliche Sprache für die Entwicklung unseres heutigen Vokabulars ist, dass es ein differenzierteres Denken fördert oder dass es bei der Bewerbung um das Traumstudium helfen kann.

Jedoch habe ich nie auch nur in Erwägung gezogen, eine Kursfahrt wie diese als Folge meiner Wahl miterleben zu dürfen. Allein für dieses Erlebnis hat es sich für mich unabhängig von jeglichen Motiven gelohnt, sich mit der antiken Sprache auseinanderzusetzen. Es war nämlich bis vor Kurzem so gut wie versichert, dass wir als Kurs den Boden all der Philosophen und Dichter, mit denen wir über die Jahre Bekanntschaft machen durften, nie betreten werden.

Umso ungläubiger war mein Gesichts-ausdruck, umso hysterischer mein Lach-anfall, als ich am 30. Mai 2018 morgens im Flugzeug saß und realisierte, dass sich in wenigen Stunden die Zeit-, Klima- und geographische Zone rings um mich ändern und ich die Ehre haben würde, wenigstens einige Denkmäler und Überreste des einst prächtigen und paradigmatischen Makedo-niens mit bloßem Auge zu betrachten. An dieser Stelle will ich mich im Namen des ganzen Kurses nochmals bei Frau Schulz und Herrn Sindermann für eine solch einzigartige und ohne Zweifel schwer zu organisierende Möglichkeit bedanken.

 2 

Meine zuvor beschriebene Euphorie nahm auch bei der Ankunft in Thessaloniki nicht ab: Die unbeschwerte Einstellung der Menschen, die kulturellen Merkmale, das schlichte, aber gemütliche Hotel trugen zu einem unvergesslichen Eindruck bei, der so leicht nicht mehr schwinden wird. Die kleinen, verwahrlosten Gässchen des einst jüdischen Viertels, wo wir verweilten, luden buchstäblich dazu ein, abgeklappert zu werden, und jede griechische Aufschrift auf den Wänden, an den Läden schrie geradezu: „Lies mich! Laut und betont!", so sehr hat mich die dortige Atmosphäre in den Bann gezogen.

 3 Darüber hinaus befindet sich unser Hostel auch noch weniger als 15 min vom Meer entfernt, in der Nähe des Platzes der Freiheit. Freiheit. Das habe ich verspürt, als wir nach einer erfolgreichen Niederlassung in einem kleinen, traditionellen Lokal saßen (das es uns ganz schön angetan hat), vom herzlich griechischen Ober mit diversen, volkstümlichen Speisen verwöhnt wurden und mit jedem Atemzug die alltäglichen Probleme, die sich möglicherweise in den Koffer mit eingeschlichen haben, wenigstens für diesen Abend vergaßen.

Badeverbot hin oder her, das Fehlen eines Sportlehrers, der uns bei Bedarf aus dem Reich Poseidons fischen dürfte – es hat uns nicht davon abgehalten, zum Ausklingen des Tages noch an der Hafenpromenade entlang zu gehen und uns des Anblicks der sanft schaukelnden, schwarzen, verheißungsvollen Wellen zu erfreuen. Diese dienten reichlich als Inspiration, um in der Nacht davon zu träumen, wie man auf ihnen treibt und die gesamte attische Harmonie aufnimmt, die nur darauf wartete, in den nächsten Tagen von uns wahrgenommen zu werden.

 4
     [Tanja Bekritsky]
     
Donnerstag, 31. Mai 2018   Diese drei vollen Tage sind zu voll mit Bildern und 
Freitag, 01. Juni 2018   Impressionen - sie sind dem kommenden FWG-
Samstag, 02. Juni 2018   Jahrbuch 2018 vorbehalten...
     
Sonntag, 03. Juni 2018    

Nachdem wir vom Hostel aus losgefahren waren, kaufte Frau Schulz noch einmal Kirschen für uns alle, jedoch wusste sie, dass sie diese nicht ins Flugzeug mitnehmen konnte, da diese sonst ihren Wohlgeschmack verlieren würden. So machten es sich Emily und Willy die gesamte Busfahrt, einmal quer durch Thessaloniki, zur Aufgabe, diese zu verspeisen – doch ohne Möglichkeit, die Kirschkerne in einem geeigneten Gefäß zu deponieren, wurde daraus ein Wettbewerb. Der Ausgang ohne weitere Schilderung belief sich auf 50 zu 50. Am Flughafen angekommen überließen wir Herrn Sindermann alles weitere, da er der einzige war, dessen (Gemeinschafts-)Koffer hätte angemeldet werden müssen und da er sich um die Tickets gekümmert hatte. Nach einer gefühlten Stunde und einer halben Stunde Echtzeit kam Herr Sindermann zu uns zurück und schilderte, dass wir uns einzeln einchecken müssen. Natürlich ließ das die gesamte Truppe mit einem Recht entgeisterten Gesicht verzweifeln, da die unendlich lang erscheinende Schlange schon rein nach Augenmaß kein Ende fand. Doch trotz des Unmuts stellten wir uns an und konnten alle eingecheckt werden, natürlich nach einer weiteren Verschwendung kostbarer Lebenszeit, die in der Schlange verbracht wurde, die man auch gut in ein paar gute Skatspiele hätte investieren können. Durch die Sicherheitskontrolle hindurch musste zum Glück nur Xenia sich einem genaueren Test unterziehen. Dementsprechend wurde dort nicht zu lange Pause gemacht.

30 Da nun am Gate noch Zeit übrig blieb, brachte Frau Schulz denjenigen, die Skat noch nicht spielen konnten, eben dieses bei. Dieses Spiel wurde an Bord des Flugzeugs weitergespielt, obwohl es anfänglich Sitzplatzprobleme gab, da Herr Sindermann den Platz ganz außen haben wollte und Willy sich grundsätzlich widersetzte, da er das aufreibende Skatspiel mitbekommen wollte, welches sich dadurch verzögerte. Darüber hinaus brachte es Herr Sindermann zu Stande, eine ganze halbe Stunde zu schmollen, da er seine Beine den ganzen Flug über nicht richtig ausstrecken konnte; dies legte sich jedoch wieder, als er durch das Fenster die wunderschönen Flickenteppiche der Welt erblicken durfte.
Den Rest des Fluges verbrachte der Autor dieses Textes damit, die wunderbare Welt des Schlafes zu erkunden. Nach Ankunft des Fliegers in der von uns allen geliebten Stadt Köln tat sich in jedem von uns ein gewisses Gefühl des Heimwehs auf, jedoch nicht zu unseren ursprünglichen Wurzeln, sondern zu dem phantastischen Land, in dem wir uns zuvor befanden – ein Land, wo sich ein glückliches Gesicht an das nächste reihte. Da kam Deutschland einem zunächst ziemlich kalt vor und wir alle haben uns gewünscht, dass diese Metapher nur auf die Temperatur bezogen war. Danach ging ein jeder von uns mit neuen Erkenntnissen nach Hause und um einmal für alle von uns zu sprechen: Neben der Freude und dem Spaß, die wir hatten, war die Vorfreude auf den nächsten Tag nicht groß.                                        31
  [Willy Mroczowski]

 

 

 

 

 

Πρῶτο-Griechenlandfahrt des FWG nach Thessaloniki

 1

   

Studiert haben wir vier Jahre lang, wo die Wiege und Idee Europas liegt – nun durften wir auch vier Tage lang den Praxistest durchführen. Es war zwar nur eine kleine Fahrt – mit einer kleinen Menge von 10 Schülerinnen und Schülern für eine kleine Menge an Tagen –, aber es war eine Fahrt mit großer Wirkung. Erstmalig hat das FWG mit großer Unterstützung seines Fördervereins und mit jeder sonst erdenklichen unbürokratischen Unterstützung zwei seiner Griechischkurse auf die Reise in die Wahlheimat – und in die Heimat unseres »Ikaros« – gesandt und hat zurückbekommen eine begeisterte Gruppe mit einem Koffer voller Impres-sionen.                                                   

Nicht nur haben wir die φιλοξενία, die griechische »Gastfreundschaft« – wie sie etwa auch Barack Obama auf seiner letzten Auslandsreise als US-Präsident kenntnisreich als ein Signum des nicht nur altgriechischen Geistes hervorgehoben hat – gespürt, sondern die Gruppe hat diese Freundschaft auch gelebt – als ein Verbund aus verschiedenen Stufen, aus verschiedenen Kursen, aus drei verschiedenen Schulen. Auch in dieser Hinsicht ist der Brückenschlag gelungen, nicht nur der von Deutschland nach Griechenland, nicht nur der von der Postmoderne in die Antike, sondern derjenige von Europa hin zur Wiege und Idee Europas. Hier nun ein paar Impressionen der vielen, die sich nicht alle in Wort und Bild fassen lassen:    

 

Mittwoch, 30. Mai 2018

Es gibt verschiedene Motive, Altgriechisch als Zusatzfach zu wählen: beispielsweise die Tatsache, dass es eine unentbehrliche Sprache für die Entwicklung unseres heutigen Vokabulars ist, dass es ein differenzierteres Denken fördert oder dass es bei der Bewerbung um das Traumstudium helfen kann.

Jedoch habe ich nie auch nur in Erwägung gezogen, eine Kursfahrt wie diese als Folge meiner Wahl miterleben zu dürfen. Allein für dieses Erlebnis hat es sich für mich unabhängig von jeglichen Motiven gelohnt, sich mit der antiken Sprache auseinanderzusetzen. Es war nämlich bis vor Kurzem so gut wie versichert, dass wir als Kurs den Boden all der Philosophen und Dichter, mit denen wir über die Jahre Bekanntschaft machen durften, nie betreten werden.

Umso ungläubiger war mein Gesichts-ausdruck, umso hysterischer mein Lach-anfall, als ich am 30. Mai 2018 morgens im Flugzeug saß und realisierte, dass sich in wenigen Stunden die Zeit-, Klima- und geographische Zone rings um mich ändern und ich die Ehre haben würde, wenigstens einige Denkmäler und Überreste des einst prächtigen und paradigmatischen Makedo-niens mit bloßem Auge zu betrachten. An dieser Stelle will ich mich im Namen des ganzen Kurses nochmals bei Frau Schulz und Herrn Sindermann für eine solch einzigartige und ohne Zweifel schwer zu organisierende Möglichkeit bedanken.

 2 

Meine zuvor beschriebene Euphorie nahm auch bei der Ankunft in Thessaloniki nicht ab: Die unbeschwerte Einstellung der Menschen, die kulturellen Merkmale, das schlichte, aber gemütliche Hotel trugen zu einem unvergesslichen Eindruck bei, der so leicht nicht mehr schwinden wird. Die kleinen, verwahrlosten Gässchen des einst jüdischen Viertels, wo wir verweilten, luden buchstäblich dazu ein, abgeklappert zu werden, und jede griechische Aufschrift auf den Wänden, an den Läden schrie geradezu: „Lies mich! Laut und betont!", so sehr hat mich die dortige Atmosphäre in den Bann gezogen.

 3 Darüber hinaus befindet sich unser Hostel auch noch weniger als 15 min vom Meer entfernt, in der Nähe des Platzes der Freiheit. Freiheit. Das habe ich verspürt, als wir nach einer erfolgreichen Niederlassung in einem kleinen, traditionellen Lokal saßen (das es uns ganz schön angetan hat), vom herzlich griechischen Ober mit diversen, volkstümlichen Speisen verwöhnt wurden und mit jedem Atemzug die alltäglichen Probleme, die sich möglicherweise in den Koffer mit eingeschlichen haben, wenigstens für diesen Abend vergaßen.

Badeverbot hin oder her, das Fehlen eines Sportlehrers, der uns bei Bedarf aus dem Reich Poseidons fischen dürfte – es hat uns nicht davon abgehalten, zum Ausklingen des Tages noch an der Hafenpromenade entlang zu gehen und uns des Anblicks der sanft schaukelnden, schwarzen, verheißungsvollen Wellen zu erfreuen. Diese dienten reichlich als Inspiration, um in der Nacht davon zu träumen, wie man auf ihnen treibt und die gesamte attische Harmonie aufnimmt, die nur darauf wartete, in den nächsten Tagen von uns wahrgenommen zu werden.

 4
     [Tanja Bekritsky]
     
Donnerstag, 31. Mai 2018   Diese drei vollen Tage sind zu voll mit Bildern und 
Freitag, 01. Juni 2018   Impressionen - sie sind dem kommenden FWG-
Samstag, 02. Juni 2018   Jahrbuch 2018 vorbehalten...
     
Sonntag, 03. Juni 2018    

Nachdem wir vom Hostel aus losgefahren waren, kaufte Frau Schulz noch einmal Kirschen für uns alle, jedoch wusste sie, dass sie diese nicht ins Flugzeug mitnehmen konnte, da diese sonst ihren Wohlgeschmack verlieren würden. So machten es sich Emily und Willy die gesamte Busfahrt, einmal quer durch Thessaloniki, zur Aufgabe, diese zu verspeisen – doch ohne Möglichkeit, die Kirschkerne in einem geeigneten Gefäß zu deponieren, wurde daraus ein Wettbewerb. Der Ausgang ohne weitere Schilderung belief sich auf 50 zu 50. Am Flughafen angekommen überließen wir Herrn Sindermann alles weitere, da er der einzige war, dessen (Gemeinschafts-)Koffer hätte angemeldet werden müssen und da er sich um die Tickets gekümmert hatte. Nach einer gefühlten Stunde und einer halben Stunde Echtzeit kam Herr Sindermann zu uns zurück und schilderte, dass wir uns einzeln einchecken müssen. Natürlich ließ das die gesamte Truppe mit einem Recht entgeisterten Gesicht verzweifeln, da die unendlich lang erscheinende Schlange schon rein nach Augenmaß kein Ende fand. Doch trotz des Unmuts stellten wir uns an und konnten alle eingecheckt werden, natürlich nach einer weiteren Verschwendung kostbarer Lebenszeit, die in der Schlange verbracht wurde, die man auch gut in ein paar gute Skatspiele hätte investieren können. Durch die Sicherheitskontrolle hindurch musste zum Glück nur Xenia sich einem genaueren Test unterziehen. Dementsprechend wurde dort nicht zu lange Pause gemacht.

30 Da nun am Gate noch Zeit übrig blieb, brachte Frau Schulz denjenigen, die Skat noch nicht spielen konnten, eben dieses bei. Dieses Spiel wurde an Bord des Flugzeugs weitergespielt, obwohl es anfänglich Sitzplatzprobleme gab, da Herr Sindermann den Platz ganz außen haben wollte und Willy sich grundsätzlich widersetzte, da er das aufreibende Skatspiel mitbekommen wollte, welches sich dadurch verzögerte. Darüber hinaus brachte es Herr Sindermann zu Stande, eine ganze halbe Stunde zu schmollen, da er seine Beine den ganzen Flug über nicht richtig ausstrecken konnte; dies legte sich jedoch wieder, als er durch das Fenster die wunderschönen Flickenteppiche der Welt erblicken durfte.
Den Rest des Fluges verbrachte der Autor dieses Textes damit, die wunderbare Welt des Schlafes zu erkunden. Nach Ankunft des Fliegers in der von uns allen geliebten Stadt Köln tat sich in jedem von uns ein gewisses Gefühl des Heimwehs auf, jedoch nicht zu unseren ursprünglichen Wurzeln, sondern zu dem phantastischen Land, in dem wir uns zuvor befanden – ein Land, wo sich ein glückliches Gesicht an das nächste reihte. Da kam Deutschland einem zunächst ziemlich kalt vor und wir alle haben uns gewünscht, dass diese Metapher nur auf die Temperatur bezogen war. Danach ging ein jeder von uns mit neuen Erkenntnissen nach Hause und um einmal für alle von uns zu sprechen: Neben der Freude und dem Spaß, die wir hatten, war die Vorfreude auf den nächsten Tag nicht groß.                                        31
  [Willy Mroczowski]